Würfeln oder sprechen?


Ich habe hier auf dem Blog schon hin und wieder das Thema „Identifikation mit dem eigenen Charakter“ angeschnitten. Dabei ging es darum, welche Flaggen der eigene Charakter trägt, welche Merkmale ihn besonders machen und weshalb man sich am besten gut mit ihm identifizieren können sollte. Weitere wichtige Punkte, die ebenfalls in die Beziehung zum Charakter mit hineinspielen, sind aber auch Kreativität, Schlagfertigkeit und Routine.

Wieso?

Ganz einfach! Wenn ich als SpielerIn redegewandt bin und ich immer ein lockeres Wörtchen auf den Lippen habe, dann fallen mir sicherlich in den meisten Situationen auch schnell gute Antworten und Entscheidungen für meinen Charakter ein. Ich kann mich im Handumdrehen rausreden oder jemanden bezirzen.

Bin ich als SpielerIn jedoch eher zurückhaltend und brauche mehr Zeit, um mir zu überlegen, was ich sagen oder tun möchte, dann gilt genau das wahrscheinlich auch für die Entscheidungen des eigenen Charakters.

Dann ist es natürlich auch noch von Wichtigkeit, wie gut man seinen Charakter kennt und wie viel man schon zusammen erlebt hat. Ist mein Charakter von Anbeginn der Zeit ein überzeugter Vegetarier, wird er das Wildschwein wohl nicht braten.

Spontan und aus dem Bauch hinaus entscheiden, mit Worten parieren und flüssig spielen ist natürlich etwas, das man lernen kann und wird, wenn man regelmäßig ABOREA spielt. Einfach mal machen, lautet die Devise! Trau dich und hab keine Angst vor den Konsequenzen deiner Entscheidungen oder vor den merkwürdigen Blicken deiner Mitspieler. Es ist ja nicht so, als würden sie so etwas nicht kennen. 😉

Na, mach schon!

Der Spielleiter setzt dich in einer bestimmten Situation unter Zeitdruck? Er zählt von drei runter auf null und du beginnst du schwitzen, weil du nicht weißt, was du tun oder sagen sollst? Auch wenn es sich vielleicht in diesem Moment gemein für dich anfühlt: Der SL weiß schon, warum er sowas mit dir macht. Und: Er würde es nicht nur mit dir so machen  (es ist also nichts Persönliches!), sondern auch mit allen anderen, wenn es sein müsste.

 Zuerst einmal möchte er vermeiden, dass das Spiel stockt. Und dann ist da noch dieser kleine Anteil an Realität, der auch in ABOREA steckt … Wenn dir gerade jemand einen Dolch an die Kehle hält, dann hast du nun einmal keine Zeit dafür, dich mit deinen Gefährten auszutauschen, was du jetzt am besten tun solltest. Dann muss es eben auch mal zackzack gehen.

Lösung

Wenn du eher zu den „langsameren” Spielern gehörst und dir öfter mal unsicher bist, was das Richtige in der Situation gerade wäre, dann versuchs doch mal mit würfeln.
Kleiner Tipp am Rande: „Richtig“ gibt es übrigens selten, dafür sorgt der Spielleiter 😉 …

Würfeln? Würfeln!

Stell dir folgendes vor:
Du steckst in einer bedrohlichen Situation  und jemand mit einem gezogenen Dolch steht vor dir. Die Person will dir all deine Münzen abnehmen. Du möchtest sie ihm oder ihr aber nicht geben.

Nimm deinen W10 und überlege dir 2 Handlungsmöglichkeiten. Zum Beispiel: bei 1-5 rennst du weg, bei 6-0 greifst du an. Dann würfle und lass die Würfel über dein Schicksal bestimmen. Alles, was du dann noch tun musst, ist die gewürfelte Entscheidung auszumalen, zu schmücken und zu erzählen, was genau du tust.

Wenn du in solchen Situationen die Würfel für dich entscheiden lässt, hilft es dir vielleicht dabei, ein bisschen Routine zu sammeln. Außerdem kannst du so kennenlernen, welche Entscheidungen an welchen Punkten zu welchen Konsequenzen führen. Du wirst sicherlich auch bald feststellen, dass selbst Situationen, für die du dich NIEMALS freiwillig entschieden hättest, gar nicht so schlimm sind, wie du immer dachtest. Und das wiederum wird dich sicher dazu ermutigen, die Würfel bald liegen zu lassen und selbst spontan zu entscheiden, was du tust.

Alter Hase?

Das mit dem Auswürfeln kann man übrigens auch dann machen, wenn man schon routiniert und ein alter ABOREA Hase ist. Hast du schon mal einen ganzen Abend lang deine Entscheidungen ausgewürfelt? Selbst dann, wenn du genau wusstest, dass es nur einen richtigen Weg gibt? Das kann nochmal eine ganz besondere Art von Spannung mit sich bringen und bei deinen MitspielerInnen für Verzweiflung sorgen. 😉 Es sei denn, sie machen es ebenso. Dann teilt ihr schließlich alle das gleiche Schicksal. Es kann zu wirklich skurrilen und witzigen Wendepunkten in einem Abenteuer führen, wenn du von der Laufrichtung an der Weggabelung bis hin zur Wahl deiner Waffen einen ganzen Abend lang die Würfel entscheiden lässt.

Nicht übertreiben!

Da ABOREA der ganzen Gruppe Freude, Herzrasen und schweißnasse Hände verpassen soll, sollten solche Themen immer mal wieder in der Gruppe besprochen werden, wenn es nötig ist.

Du möchtest gern einen Abend mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, die Entscheidungen nicht selbst zu treffen? Frag die anderen am besten kurz, ob es für sie in Ordnung ist, wenn du die Würfel bei der Entscheidungsfindung nutzt.

Du hast das Gefühl, dass du bei der Entscheidungsfindung nicht so schnell bist, aber die Würfel-Variante gefällt dir auch nicht so gut? Dann sprich mit deiner Gruppe über dieses Gefühl und bitte sie doch, dir am Anfang mal ein paar Tipps rein zu rufen, wenn du nicht weiter weißt.

Eine weitere Variante, die auch unser Chemiezwerg hin und wieder bei „Neulingen“ nutzt, ist die folgende:
Der Spielleiter kann in gewissen Situationen auch einfach selbst zwei oder drei Entscheidungsmöglichkeiten vorgeben. So hat er die Möglichkeit, ein bisschen Einfluss zu nehmen, zu unterstützen und den größten Unfug zu verhindern. Schließlich möchte auch der SL nicht, dass ein Spielercharakter am ersten Abend „aus Versehen“ stirbt. Und wer weiß? Vielleicht entzünden diese Möglichkeiten ja den Funken für die ersten eigenen Ideen der Spieler?

Wenn gar nichts so richtig passt: tritt den Kampf nach vorn an und versuche einfach mal irgendwas, was dir einfällt, getreu dem Motto “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

Also, zieh deine Rüstung an und wage!


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