Eher Power Gaming oder Method Acting?

Eher Power Gaming oder Method Acting?

Jeder von uns ist einzigartig. Es gibt diejenigen unter uns, die danach streben die besten zu sein: die besten Noten zu bekommen, die ordentlichste Wohnung zu pflegen, die besten Leistungen im Job zu erbringen. Dann gibt`s diejenigen, die vielleicht nicht in einer so ordentlichen Wohnung leben, die aber dafür sehr viel Zeit mit Freunden und Familie verbringen und das Ziel haben, möglichst viele gemeinsame Erinnerungen zu erschaffen – egal ob es zu Hause ordentlich ist, oder ob die Noten herausragend sind oder nicht. Und dann gibt´s die, die im Chaos zu Hause versinken, sich dort aber wohl fühlen und am liebsten den lieben langen Tag in ihrer Höhle verbringen würden. 

Kein Wunder also, dass jede(r) auch seine Eigenheiten beim Rollenspielen hat. 

Powergamer

Es gibt die sogenannten „Powergamer“, die man nicht nur aus dem Erzähl-Rollenspiel kennt, sondern auch aus Onlinespielen. Vielleicht seid ihr so einem Menschen auch schon einmal begegnet.

Man erkennt sie daran, dass sie ein großes, übergeordnetes Ziel haben: Sie wollen ihren eigenen Charakter so schnell wie möglich, so stark wie möglich werden lassen und tun alles dafür, dass dem so ist.

Das bedeutet zum Beispiel: es wird durchgerechnet, welcher Punkt in der Entwicklung sich an welcher Stelle am besten auswirken würde. Es wird genau überlegt, welches Verhalten in welcher Situation am besten ist, damit der Charakter am stärksten aus ihr hinaus geht. Und auch mal anders zu handeln, als es eigentlich zum Charakter passen würde, steht hin und wieder an der Tagesordnung. 

Powergamer sind nicht unbedingt immer die liebsten Zeitgenossen, denn oft kann es in der Gruppe aufgrund ihrer Handlungen zu Stirnrunzeln oder Diskussionen kommen. Wenn ein Powergamer darauf gepolt ist, möglichst schnell stark zu werden, dann bietet es sich für ihn natürlich an, in den Kampf zu ziehen, um noch stärker zu werden, um besser mit dem Schwert zu werden und „zu trainieren“. Wenn sich in der Gruppe jedoch auch Charaktere befinden, die es mit dem Kämpfen nicht so haben, dann finden die das sicherlich nicht so lustig, die Provokationen des Powergamers ausbaden zu müssen. 

Das interessiert einen Powergamer in erster Linie nicht – es geht um ihn und den Erfolg seines Charakters.

Method Acting

Ja, und dann gibt es quasi das Gegenteil des Powergamers: Den sogenannten Method Actor. Für sie ist es das höchste Ziel, den Charakter gemäß seiner Eigenheiten und -schaften auszuspielen. Und zwar bis ins letzte Detail! Selbst, wenn es zu Katastrophen führen kann, weil der trottelige Halbling gerade mit seinem Verhalten dafür sorgt, dass die ganze Gruppe in Lebensgefahr gerät … dann ist das nicht mehr und nicht weniger als eine logische Konsequenz aus dem Handeln des Charakters. „Er ist ja nun mal eben so …“

Ein Method Actor versteht sich selbst eher als Schauspieler und will durch das Ausspielen des eigenen Charakters für ein möglichst intensives und realistisches Spielerlebnis sorgen. Koste es, was es wolle.

Ihr könnt es euch vielleicht vorstellen: treffen Powergamer und Method Actor aufeinander, kann es durchaus mal krachen. Der Powergamer wird es nämlich gar nicht witzig finden, wenn der trottelige Method Actor durch das Ausspielen der „ach so intensiven Geschichte“ dafür sorgt, dass er selbst nicht das Maximum für seinen Charakter aus der ganzen Sache herausziehen kann. 

Wie bringt ihr beide Extreme zusammen?

Natürlich könnt und sollt ihr den anderen so akzeptieren, wie er ist. Natürlich kann man darüber auch diskutieren – das macht bestimmt auch einmal Sinn, um die einzelnen Standpunkte zu kommunizieren und zu erklären. Alle weiteren Diskussionen über dieses Thema sorgen nur für Unruhe und Unmut in der Gruppe.

Ein Tipp für den Spielleiter

Wenn Ihr Extreme in der Gruppe habt, geht auf beide ein, aber nicht gleichzeitig. Es wird Situationen geben, da wird sich der Method Actor langweilen und an anderer Stelle wird der Powergamer ob der story-lastigen Geschichte mit den Augen rollen. Solange ihr aber alle Spieler in regelmäßigen Abständen tun lasst, was ihnen Spaß macht, werden sie sich nicht beschweren, auch wenn es einmal etwas langweiligere Passagen für sie gibt.

Ein Tipp für Spieler

Versucht nicht, den anderen Spielern euren Spielstil aufzudrücken. Alle am Tisch wollen Spaß haben und jeder definiert seinen Spaß anders. Vertraut darauf, dass der Spielleiter sich auch für euren Charakter spaßige und spannende Szenen ausgedacht hat, die ihr (unabhängig davon ob Powergamer oder Method Actor) in eurem ganz eigenen Spielstil angehen könnt. Also wenn eine Passage erzählt wird, in der Method Actor zu wahrer Größe auflaufen können: Genießt das Schauspiel und lehnt euch zurück. Niemand muss immer an allen Szenen beteiligt sein und wenn euch die Szene nicht gefällt, genießt die Geschichte der anderen Spieler. Und wenn eine Szene offensichtlich auf Powergamer geschneidert ist, lehnt euch zurück und lernt etwas über Charakteroptimierung. Sobald die Szene vorbei ist, werden sich noch genug Möglichkeiten finden im Rollenspiel die Konsequenzen zu beheben.

Eine Idee zu “Eher Power Gaming oder Method Acting?

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