Die Vier Stufen der Magischen Meisterschaft

Die Vier Stufen der Magischen Entwicklung

Die Formung der Magie ist seit jeher eine der größten Herausforderungen. Theoretisch ist es möglich alles daraus zu bilden und jegliche Materie, ob tot oder lebendig, damit zu verändern. Aber praktisch ist dies noch niemandem gelungen – jedenfalls ist das bisher nicht bekannt.

Es gibt unzählige Herausforderungen und Gefahren, wenn man die Magie formt. Daher ist eine ordentliche und geleitete Ausbildung notwendig. Die Entwicklung eines Zauberers ist mühsam und aufwendig.

Nach dem klassischen Modell Ischtaras, spricht man von den vier Stufen: Is-Ta-Ki-O.

Auf der Is-Stufe (ausgesprochen: „Ihs“) gilt es eine Formung durch ständige Wiederholung und Übung zu meistern. Die meisten Zauberer befinden sich auf der Is-Stufe. Sie haben bereits damit alle Hände voll zu tun, die Sprüche, die größtenteils schon seit Jahrhunderten bekannt sind, zu erlernen. Sie sind in Listen und Rängen sortiert. Die Listen ordnen die Formungen verschiedenen Disziplinen zu, die Ränge entsprechen dem Schwierigkeitsgrad. Je höher der Rang ist, desto mehr muss man in der Lage sein die Magie zu formen und komplexere Gestiken (non-verbale und-oder verbale) zu vollführen. Viele Orden rühmen bereits Meister, wenn sie hochrangige Zauber ausführen können.

Die Ta-Stufe (hier wird das a lang gesprochen: „Tah“) ist bereits eine erheblich höhere Stufe. Sie kann auch als Meisterschaft einer Formung verstanden werden. Der Zauberer ist in der Lage, die Formung zu verstärken oder anders zu verändern. Dabei werden zwar immer noch bekannte Varianten der Formung verwendet, aber der Einsatz größerer Mengen von Magie zur Vollführung einer höheren Form eines Spruches, gilt zurecht als Meisterschaft. Der Formende muss den Spruch tatsächlich verstanden haben. Es ist nicht bloß das Ergebnis unzähliger Übungen, sondern eine tiefe Einsicht in die Wirkweise dieser speziellen Form. Die meisten Organisationen verstehen jemanden erst dann als Meister, wenn er dieses Wissen erworben hat und einzusetzen vermag.

Die Fähigkeiten der dritten Stufe, Ki-Stufe, kann man als großmeisterlich bezeichnen. Diese Stufe ist die derzeit höchste, die jemals ein bekanntes Wesen erreicht hat. Es ist die Fähigkeit, Formungen miteinander zu verweben, um völlig neue Wirkungen zu erzielen. Hierzu braucht es nicht nur das Wissen um die verschiedenen Formungen, sondern auch um deren Meisterschaft, das Verständnis und die Macht sie zu verketten, oder gleichzeitig zu formen. Häufig kommen dabei enorme Mengen der Magie zum Einsatz und die besten wissen mehr als zwei Formen zu verbinden. Wer auch immer diese Stufe erreicht, wird früher oder später offiziell den Rang eines Großmeisters der Magie innehaben und einen Titel, wie den des Erzmeisters oder Erzzauberers, tragen.

Nur wenige durchlaufen tatsächlich die Stufen und erreichen irgendwann die Ki-Stufe. Noch weniger sind in der Lage, Stufen zu überspringen. Sie gilt es besonders im Auge zu behalten, denn in ihnen zeigt sich ein Talent, wie es nur eines unter einer Million hat.

Die höchste Stufe nach Ischtara ist die O-Stufe („Oh“ ausgesprochen). Auf ihr soll es möglich sein, spontan jede Idee ohne Anstrengung real werden zu lassen. Hier braucht es weder komplexe Gesten, Abläufe und Riten, Katalysatoren und Jahrzehnte der Übung, sondern lediglich das Einswerden mit der Magie. Nach Ischtara durchwirkt die Magie einen Formenden auf dieser Stufe ohne einen Widerstand jedweder Art, und es ist lediglich der Zauberer und sein Wille.

In der Kultur der Elfen gibt es eine bemerkenswert ähnliche Konzeption. Sie versuchen eins mit der Einen Melodie zu werden, die bereits Meister Hungaan als die akustisch wahrgenommene Magie bezeichnet: Das Volk der Elfen soll die Fähigkeit besitzen, Magie zu hören. Dieses Können ist unterschiedlich stark ausgeprägt, und einige sind in dieser Kunst sogar talentiert. Sie können das Geschick darin durch Meditationen verfeinern und zur Perfektion bringen. Dies versetzt sie in die Lage mit der Melodie der Magie eins zu werden.

Auf der O-Stufe wäre es nicht mehr nötig jahrelang die Wirkweisen und die Synthese der Formungen zu erforschen, um neue Sprüche zu schaffen. Es würde – vermutlich sogar unbewusst – einfach so gelingen. Die Magie würde ohne Zeitverlust und Anstrengung den Willen des Formenden bilden.

Viele überhebliche Zauberer versuchen sich an einer höheren Stufe. Statt demütig das Wissen der Meister zu erlernen und fleißig durch ständige Übung die Formung zu einem Automatismus zu bringen, versuchen sie bereits früh Formungen höherer Ränge. Doch hier ist ein Scheitern noch lediglich ein Fehlschlag und von keiner kritischen Konsequenz. Sie probieren Varianten, haben aber nicht genügend Magie und Wissen. Jedoch auch hier ist ein Misserfolg noch ohne Schaden. Erst auf der Ki-Stufe können missglückte Versuche ernsthafte Folgen haben. Die Wechselwirkung der Formungen können chaotisch und unkontrollierbar sein.

Katastrophal sind die meisten Versuche, neue Formungen „einfach so“ zu bilden. Ohne Studien und vorsichtige Forschungen, ohne das Wissen und die Fähigkeit, die dazu üblicherweise notwendig sind. Dann kann es zu einem magischen Bruch oder einem Magiesturm kommen, der den überheblichen Narren zerreißt und in die Tiefen der Ewigkeit katapultiert.

Umso mehr muss man die Mühen der Altvorderen Meister schätzen, die alle Gefahren auf sich genommen haben und unerschrocken das Unbekannte entdeckt haben. Noch heute gibt es diese mutigen Entdecker. Doch sie sind allesamt Großmeister und äußerst behutsam. Es heißt, dass es unzählige Formungen bereits gibt. Überall auf dem Kontinent wurden seit Jahrtausenden Magieformungen entwickelt und festgehalten. Wir finden sie in Stein gemeißelt, auf Rinden gemalt, auf Papyrus geschrieben oder sonst wie für die Ewigkeit gebannt. Aber viele sind verschollen und Zeit und Kleingeistigkeiten haben ihren Tribut gefordert. Jede Schule, jeder Zirkel und Orden, jeder Zauberer hat einen Teil davon für sich gewonnen. Einige haben sogar das Wissen darum geteilt und Kopien gefertigt. Doch die meisten hüten sie eifersüchtig, wie machtvolle Geheimnisse. Nur wenige Formungen sind unter den Zauberern eine Art Allgemeinwissen – und dann auch oft nur deren Grundformen, nicht aber die unzähligen, aber höchst wichtigen und aufschlussreichen Varianten.

Es bleibt die Anfänger zur Geduld zu mahnen. Sie müssen lernen den Respekt vor den Meistern und Großmeistern, sowie denen, die ihnen vorangegangen sind, zu wahren. Und man muss sie auf die Mühen jeder Stufe hinweisen. Sie haben zunächst die Is-Stufe zu erklimmen und hier gilt es zu üben, zu trainieren und zu folgen. Erst wenn der Umgang mit den bewährten Techniken so sicher ist, dass die Formung nahezu unbewusst vonstattengeht, ist der Schüler bereit für die Ta-Stufe.

— Erzmeister Kimra der Zweite, „Gedanken zur Ausbildung von Zauberlehrlingen“ aus dem Jahr 833

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