Monster des Monats: Der Bannsänger

von Anja Eble

Es heißt, wenn ein lästerlicher Barde stirbt – einer, der ein liederliches Leben geführt hat, mit einer Frau in jeder großen Stadt und einer Horde halbverhungerter Kinder, die alle ihren Vater nicht kennen – wenn ein solcher stirbt, dann treffen ihn die ganzen Verwünschungen und Flüche und er wird zum Bannsänger. Selbst geweihte Erde hält ihn nicht davor zurück, sich zu verwandeln. Ist er erst verscharrt, so schiebt sich in der siebten Nacht nach seinem Tod, wie ein Insekt aus dem Kokon, der Bannsänger aus seinem faulenden Leib. Der Bannsänger hat mit dem Barden nichts mehr gemeinsam, außer der Augen und den Banden an seine verstreute Familie unglückseliger Frauen und Kinder, die er mit gebrochenen Herzen und knurrenden Mägen zurückließ. Und solange die nicht alle glücklich sind, so lange geht er um und fiedelt jeden in den frühen Tod.

Womit er spielt? Mit seinen Armen… jedoch hat er keine normalen menschlichen Arme mehr. Sie sind wie Stacheln und mit knöchernen Widerhaken versehen. Er reibt sie in rasender Geschwindigkeit aneinander und erzeugt damit ein hohes Sirren. Wer jung ist, der ist gewarnt, denn er hört das Geräusch und kann rechtzeitig das Weite suchen. Aber je älter man wird, umso weniger vermag man das Lied des Bannsängers zu hören. So manch älterer Besucher auf dem Friedhof fand einen zu frühen Tod, als er die Gräber seiner Ahnen besuchen wollte und stattdessen dem Bannsänger gerade vor den hungrigen Schlund lief. Mit den breiten Mäulern voller nadelspitzer Zähne ist es kein schöner Anblick, ihnen beim Fressen zusehen zu müssen. Sie packen ihr Opfer mit den Fortsätzen ihrer Kiefer, beißen sich mit ihren Zähnen fest und zerreißen es dann indem sie die Fortsätze auf das Opfer hinab peitschen lassen. Dies erzeugt ebenfalls ein Geräusch, doch ist es mehr ein unheilvolles Brummen und feuchtes Platschen und Reißen. Wer es jemals vernahm, der weiß, dass es Zeit ist die Flucht anzutreten.

Woher ich das weiß? Nun, werte Dame, ich weiß aus verlässlicher Quelle, dass ihr Fortistran nicht nur Sie zum Eheweib hatte. So schlimm der plötzliche Verlust des Gatten auch ist und so sehr die sechs Kinderlein den Vater beweinen, ich möchte Ihnen dringend ans Herz legen, mir die fachgerechte Entsorgung seines Leichnams anzuvertrauen. Es ist ein rechtes Glück, dass ich gerade zugegen war, als er so unglücklich in den gefrorenen See stürzte. Die Herbstwinde und der Nachtfrost sind nur zu tückisch und er hatte sicherlich mehr als ein Glas zu viel, aber das soll ja nicht unser aller Schaden sein. Ich mache Ihnen auch einen hervorragenden Preis, bei meiner Ehre! Nein, das man aus dem Leib eines Bannsängers allerlei magische Dinge fertigen kann ist nur ein böses Gerücht. Die Totengräber und wir Sängerjäger sind keine Freunde verständlicherweise, Ihr dürft nicht alles glauben, was die Leute erzählen.

Jortis Derguschmul im Gespräch mit der frisch verwitweten Laurena Scilleri

Der Bannsänger ist ein Monster, das vor allem auf Friedhöfen, auf Totenackern und in Katakomben zu finden ist.
Es schlüpft aus den sterblichen Überresten erdbestatteter Toter und verbirgt sich bei Tag in frischen Gräbern und den kühlen Schatten von Beinhäusern und Gruften. Im Laufe seines Unlebens durchläuft der Bannsänger mehrere Häutungen, wobei er seine Größe jedes Mal ein wenig steigert. Ein erster ernster Hinweis, dass ein Friedhof einen Bannsänger umgehen hat, ist deswegen oft das Auffinden einer leeren Haut. Der Bannsänger braucht mindestens drei Häutungen, bis seine Schrillknochen an den Armfortsätzen gut genug ausgebildet sind, um die „Totentanz“ genannte Lautfolge zu erzeugen, die seine Opfer in ihren Bann zieht. Tatsächlich sind sehr junge Menschen in der Lage, die Laute zu hören, die das Monster mit dem blitzschnellen Aneinanderreiben der Armfortsätze erzeugt, aber je älter man wird, umso weniger ist man in der Lage, die hohen Töne zu vernehmen. Die Töne können wohl erspürt werden und zwingen das Opfer zu unkontrollierten Muskelkontraktionen, die wie ein seltsamer Tanz aussehen. Das macht es dem Bannsänger so einfacher, das Opfer zu greifen, sich in den Kopf zu verbeißen und es zu zerreißen, bevor es gefressen wird. Da der Bannsänger zumeist nicht in der Lage ist das Opfer in einer Nacht zu verschlingen, neigt er dazu  seine Beute in sein Versteck zu schleifen.
Die Chancen dieses Versteck auszumachen, sind bei einem Bannsänger der schon getötet hat höher, als bei einem der noch nicht genug Häutungen absolviert hat.

Bannsänger sind einzelgängerisch und wachsen mit jeder Häutung weiter, so dass schon von beachtlichen Exemplaren berichtet wurde. Junge Bannsänger sind ungefähr menschengroß. Ihre Haut ist von einer fahlen Färbung und erstaunlich hart, mehr wie der Panzer eines Insekts und sie alle fürchten offenes Feuer.

Es gibt eine kleine Gilde von Jägern, die sich auf die Erlegung dieses Monsters spezialisiert haben. Böse Zungen behaupten, sie erschaffen die Wesen erst, um sie dann zu töten und mit dem Verkauf der Leichen an Alchimisten und Zauberkundige eine Menge Geld zu machen..

Junger Bannsänger (SG 5)
Ein junger Bannsänger in der Größe eines erwachsenen Menschen der noch nicht mindestens drei Häutungen durchlaufen hat.
TP 50, INI +3, Biss oder Fangarm, KB Biss 5/Fangarm 7, Schaden Biss -1/Fangarm +1, Rüstung 7, Festhalten, Verwundbar (Feuer), Zerreißen, Schatz A.

Alter Bannsänger (SG 11)
Ein alter Bannsänger in der Größe eines Trolls mit voll ausgebildeten Schrillknochen.
TP 120, INI +2, Biss oder Fangarm, KB Biss 7/Fangarm 10, Schaden Biss +1/Fangarm +3, Rüstung 9, Bannlied, Festhalten, Verletzlich (Feuer), Zerreißen, Schatz C.

Bannlied (Spezialangriff): Das Bannlied eines Bannsängers kann ein Opfer derart fesseln, dass es während der Dauer des Einflusses handlungsunfähig ist (keine Manöver, Bewegungen, Angriffe, DB oder Zauber). Ein Einflussnahme oder Intelligenz-Manöver (MS12) kann den Effekt vermeiden. Einmal in seinem Bann, kann das Opfer des Bannsängers einmal pro Runde versuchen, sich durch ein erfolgreiches Manöver aus dem Bann zu lösen.

Zerreißen (Spezialangriff): Gelingt dem Bannsänger ein Angriff mit seinem Biss, dann hat er sich in sein Opfer verbissen und hält es fest. Sofern das Opfer in dieser Runde noch nicht angegriffen hat, kann es versuchen, sich zu befreien. Hierzu muss ihm ein Manöver (Stärke) mit einer MS gleich dem Angriffswert des Bannsängers gelingen. Gelingt es dem Opfer nicht, sich zu befreien, dann beginnt der Bannsänger in der Folgerunde sein Opfer bei lebendigem Leib zu zerreißen. Dies entspricht zwei normalen Angriffen mit den Fangarmen, wobei lediglich getragene oder magische Rüstung, nicht aber Boni aufgrund der Größe oder Geschicklichkeit das Opfer zu schützen vermögen. Sofern das Opfer eine höhere Initiative besitzt als der Bannsänger, dann kann es vorher probieren sich aus dem Griff zu lösen. Der Spezialangriff verursacht nur beim ersten Treffer Schaden, während des Festhaltens erleidet das Opfer jedoch keinen weiterer Schaden durch den Biss.

Verletzlich (Feuer): Der alte Bannsänger ist verletzlich gegen Feuer und erleidet daher doppelten Schaden durch Feuerangriffe.

Verwundbar (Feuer): Der junge Bannsänger ist verwundbar gegen Feuer und erleidet daher vierfachen Schaden durch Feuerangriffe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.