Troublemaker im Rollenspiel

Egal ob die impulsive Feuermagierin, der aufbrausende Krieger oder der Alchemist mit einer Liebe zu Giften: In beinahe jeder Gruppe gibt es Spieler und Charaktere mit Hang zum Chaos: die Troublemaker. Habt ihr solche Spieler in der Gruppe, stellen sie den Spielleiter und die Mitspieler oft vor zahlreiche, nervenaufreibende Herausforderungen. Aber sie können auch das Rollenspiel bereichern.

Wie erkenne ich Troublemaker?

Gebt ihnen fünf Minuten und ihr wisst, wer ein potenziell chaotischer Spieler ist. Sie werden mehr oder minder grundlos Dinge anzünden, Adelige beleidigen, NSCs oder Mitspieler zum Duell auffordern, vor aller Augen riskante Diebstähle begehen oder auf irgendeine andere Art und Weise auf sich aufmerksam machen. Oftmals tragen sie große und auffällige Waffen und Gerätschaften mit sich herum und tragen nur eine einzige Aufforderung an Spielleiter und Spieler wie ein großes Schild vor sich her: „Spiel mit mir – und sei bloß nicht langweilig!“

Chaotische Spieler mögen es, wenn Dinge passieren. Spannende, große und laute Dinge. Wenn gekämpft wird, wenn sie sich beweisen können und wenn sie im größten Tumult noch eine kleine Schippe drauflegen können. Eine Audienz bei einem Adeligen oder König missfällt ihnen und sie langweilen sich. Sie können all das, was sie cool finden und lieben nicht tun – Grund genug, es trotzdem zu tun, obwohl es gerade unpassend ist.

Wie halte ich das Chaos im Zaum?

In solchen Momenten hat der Spielleiter Sorge dafür zu tragen, dass auch die Mitspieler zum Zug kommen, welche eher einen ruhigeren Charakter haben. Die Unterhändler, Diebe, ruhigen Magier und smarten Krieger, welchen gar nicht nach Konfrontation zu Mute ist und welche sich vielleicht darauf freuen, mal wieder eine etwas ruhigere Szene spielen zu können und selbst im Rampenlicht zu stehen. Um das zu schaffen, solltet ihr daher zuallererst mal Ruhe bewahren. Ihr werdet Euch oft provozieren lassen, denn einige Spieler legen es förmlich darauf an, den Spielleiter zu reizen. Bleibt trotzdem ruhig und gelassen und vergesst nicht: Ihr seid Spielleiter, also sitzt ihr am längeren Hebel.

Damit alle Spieler zum Zug kommen können und sich niemand langweilt, haben Generationen von Spielleitern mannigfaltige Möglichkeiten ersonnen, ihre Chaoten zu bändigen.

Sagt Ja zu den Ideen der Spieler. Geht auf sie ein und lasst ihnen erstmal ihren Willen. Das kann das Rollenspiel wirklich bereichern und wenn ein Spieler eine Idee hat, dann redet sie ihm nicht mies. Er wird an den Konsequenzen merken, ob seine Idee gut war. Ein Spieler will den König während der Audienz töten? Er wird Wachen haben, die genau damit rechnen. Spielt die Konsequenzen für den Spieler aus und lasst euch nicht auf Ausreden oder Rechtfertigungen ein. Achtet aber darauf, den Rest der Gruppe nicht zu sehr darunter leiden zu lassen. Also gebt ihnen eine Chance, sich herauszureden, zu fliehen oder die Situation zu entschärfen. Sie werden sich später „intern“ um den Verursacher ihres Ärgers kümmern.

Gebt ihnen was sie wollen. Jeder Spieler hat andere Erwartungen an ein Spiel. Wenn ihr wisst, dass Ihr Troublemaker in eurer Runde habt, lasst sie (und nur sie) auf streitlustige Wachen, betrunken pöbelnde Adelige oder nervende Bettler treffen. Wer Ärger sucht, wird meistens auch von ihm gefunden. Daher ist es nur natürlich, dass diese Spieler alle Arten von Ärger anziehen, wie Honig die Fliegen. Vergesst nur nicht, dass auch der Rest der Gruppe Erwartungen hat, welche kollidieren können. Wenn ein Einbruch ansteht und es auf Finesse ankommt, machen es euch die Gruppen oft sehr einfach (laute Charaktere werden in solchen Fällen gerne an einer ungefährlichen Stelle als Wache abgestellt), doch wenn nicht, lasst in solchen Situationen nicht extra für den Troublemaker etwas geschehen, sondern tut nichts. Das ist dann auch eine Art von Nervenkitzel, denn wenn sich die Spieler halbwegs kennen, wird jeder in der Gruppe damit rechnen, dass aufgrund der bloßen Anwesenheit des Troublemakers etwas passiert.

Fühlt euch nicht persönlich angegriffen, denn die wenigsten Spieler wollen euch ernsthaft beleidigen oder kränken, sondern vielmehr herausfordern. Sie wollen, dass ihr sie beschäftigt, also lasst euch auf das Spiel ein und ihr könnt eine Menge Spaß und Situationskomik mit solchen Spielern erleben.

Versucht nicht, die Situation so zu beschreiben, dass nicht einmal der härteste der harten Chaoten auf die Idee kommen würde, Unsinn anzurichten (Spoiler: Er wird es trotzdem tun, ihr werdet nur seine Härte unterschätzen).

Wenn wirklich nichts mehr geht

Solltet ihr trotz allem der Lage nicht Herr werden und merken, dass sich beispielsweise die Gruppe wegen eines Spielers auflöst, es häufiger Streit am Spieltisch gibt oder die Aktionen des Troublemakers einfach zu abstrakt werden, dann regelt das mit ihm außerhalb der Runde. Setzt euch zusammen, redet mit der betroffenen Person und legt eure Wünsche dar. Zum Beispiel: „Ich würde mir wünschen, wir hätten öfter Einbruchsmissionen, bei denen nichts schief geht. Das wäre gut, weil…“. Oder etwas direkter: „Ich würde mir wünschen, du würdest dich in der Stadt ein wenig zurückhalten, weil…“. Lasst das Gespräch nicht zu einer Runde der Vorwürfe ausarten, sondern äußert eure Wünsche und begründet sie.

Kennt ihr auch solche Spieler? Wie geht ihr mit ihnen um? Schreibt es uns in die Kommentare, ins Forum, auf Facebook oder an martin@18.196.232.64.

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