DER RATTENKÖNIG – INTERVIEW TEIL II

Willkommen zurück zu unserem Interview mit dem Autor des Rattenkönigs Jan-Philip Wallenborn.

Habt Ihr das Abenteuer schon gespielt? Wenn nicht, dann solltet Ihr das unbedingt zuerst tun, bevor Ihr weiterlest!

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Im nachfolgenden, zweiten Teil unseres Interviews mit Jan-Philip Wallenborn erwarten Euch einige Spoiler, die vor allem Spielern, die das Abenteuer noch nicht kennen, einiges vorweg nehmen könnten.

Für alle, die dem Rattenkönig bereits begegnet sind, und für Spielleiter, die das Abenteuer demnächst spielen wollen, gibt es hier spannende Hintergründe, die noch tiefer in das Geschehen in Sorban vordringen.

Wir wünschen Euch viel Spaß mit Teil II des Interviews!

ABOREA Community: Wie kamst du auf die Idee zum Rattenkönig?

JW: In einem Rollenspielpodcast hatte der amerikanische Webcomicautor Scott Kurtz einmal den historischen Rattenkönig erwähnt. Also den, bei dem viele Ratten an den Schwänzen zusammengewachsen sind. Das hat meine Phantasie direkt beflügelt! Schon der Name „Rattenkönig“ hat in meinem Kopf Bilder einer gebückten Gestalt erzeugt, die durch die Tunnel einer finsteren Kanalisation schlurft. Als ich dann eine offene Rollenspielrunde in der Bonner Rollenspielkneipe „Voyager“ anbot, suchte ich nach einem Abenteuer, das man an einem Abend schaffen kann und das trotzdem einen interessanten Ansatz bietet. So kam ich auf die Idee der drei Legenden, die irgendwie miteinander verwoben sind und den Spielern bereits das nahende Unheil ankündigen und sie dennoch in die Irre führen. Da ich ein großer Fan von Stadtabenteuern bin, lag der Gedanke nahe, den für so einen Abend obligatorischen Dungeon in die Kanalisation zu verlegen.

Jan-Philip Wallenborn 2

AC: Hast du den Rattenkönig schon mit deiner Gruppe gespielt? Wie waren die Reaktionen?

JW: Meine wöchentliche Gruppe spielt seit mittlerweile 10 Jahren in der gleichen Kampagne und ist leider viel zu sehr in politische Ränke verstrickt, um sich um die Belange eines armen Lumpensammlers zu kümmern. Vermutlich würden sie andere Leute anheuern, um Gren zu helfen – wobei mir gerade einfällt, dass das eine super Idee wäre, um eine hochstufige Gruppe einen Abend lang eine Gruppe von Anfängern spielen zu lassen! Bei der offenen Rollenspielrunde hingegen kam es sehr gut an, obwohl ich die Mitspieler kaum oder gar nicht kannte. Ich hatte ihnen vorgefertigte Charaktere gegeben und sie im „Bilgenwasser“ starten lassen. Es hat mich überrascht, wie viel Charakterspiel und Kreativität die Spieler entwickelt haben, obwohl das Abenteuer ja schon ziemlich geradlinig ist. Eine Spielerin versuchte, die drei Kerle in der Taverne zu becircen, weil sie hinter den Legenden eine Verbindung vermutete und sich mehr Informationen erhoffte. Und beim Kampf gegen einen Rattenschwarm baute der Dieb seinen Flakon mit Parfum spontan zu einem Brandsatz um.

AC: Wie kamst du auf die Idee zu dem Kneipenminispiel „Rattenkönig“?

JW: Ich brauchte einen Grund, weshalb die Charaktere mit Tresko, Velbin und dem schönen Lem ins Gespräch kommen, damit die drei ihnen von den Legenden erzählen konnten. Da lag der Gedanke an ein Kneipenspiel nahe. Ich musste mir nur noch ein Spiel ausdenken, das man in Verbindung mit dem Rattenkönig und den vielen Schwänzen bringen konnte und das zugleich gefährlich und verrucht wirkt. Ein einfaches Karten- oder Würfelspiel hätte die Stimmung so nicht transportieren können.

AC: Die Kanalisation bietet mit ihren Winkeln und Fallen einen gefährlichen Ort für Abenteurer. Wie hast du sie konzipiert?

JW: Um ehrlich zu sein haben hier vor allem praktische Überlegungen eine Rolle gespielt. Ich wollte ein klassisches Verlies mit verwinkelten Gängen, ein paar Fallen und Gegnern schaffen. Es sollte übersichtlich genug sein, um an einen Abend erkundet werden zu können. Dabei war mir wichtig, dass der Ort stimmig ist und keine komplizierten Mechanismen oder magische Schätze birgt, die dort nichts verloren haben. Dennoch sollte es Fragen aufwerfen und Hinweise auf zukünftige Abenteuer geben: Wer hat dieses Gewölbe geschaffen? Warum geriet es in Vergessenheit? Und gibt es vielleicht noch weitere dieser Art unterhalb von Sorban?

Rattentempel Fließtext

AC: Das Konzept des Rattengotts ist sehr interessant und bietet viel Raum für Spekulationen. Glaubst du, man wird Z‘orgush zukünftig nochmal begegnen?

JW: Nun, wenn die Legende stimmt, dann wird er mit Sicherheit weitere Opfer fordern. Was wäre, wenn er sich beim nächsten Mal nicht einen Beutelschneider sondern einen Adligen zu Untertan macht, der über viel mehr Einfluss verfügt? Und was ist mit diesem magischen Talisman, der ganz klar ein Erbe von Z’orgush ist? Was, wenn sein Träger alle Ratten von Sorban unter seine Kontrolle bringt und für seine finsteren Zwecke einsetzt?

AC: Was für eine Zivilisation könnte den Rattengott früher angebetet haben?

JW: Eine Verzweifelte! Ratten haben einen üblen Ruf und stehen für die Schattenseiten einer urbanen Gesellschaft. Ich denke hier an eine dekadente Kultur voller Gier und Ausschweifungen, in der die Ausgestoßenen und Hoffnungslosen in die Schatten getrieben werden. Und dort gibt es niemanden mehr, der ihr Flehen und ihre Gebete hört. Bis auf den Rattenkönig…

AC: Und zum Abschluss noch eine Frage: hast du schon ein neues Abenteuer geplant?

JW: Ich habe definitiv noch mehr Material in der Schublade, das hoffentlich irgendwann veröffentlicht werden kann. Darunter ist auch eine Rückkehr nach Sorban und mehr düstere Geheimnisse jener Stadt. Momentan liegt aber der Fokus ganz klar auf der weiteren Ausarbeitung ABOREAs. Wir arbeiten mit einem großen Team daran, den Kontinent Palea mit mehr Leben zu füllen. Dabei muss vieles berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden, was eine große aber auch spannende Herausforderung ist.

AC: Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten! Und viel Erfolg bei deinen weiteren Projekten!

Das Thema Rattenkönig scheint also für Sorban und für uns noch lange nicht erledigt zu sein. Z’orgush könnte sich als hartnäckiger erweisen, als wir glauben. Und wer weiß, ob er in Sorban bleibt oder versucht, in einer anderen Stadt, seinen Einfluss weiter auszubauen. Für Spielleiter wie Abenteurer bieten sich auch nach dem (hoffentlich) erfolgreichen Abschluss des Kurzabenteuers „Der Rattenkönig“ viele Ansätze, die Geschichte weiterzuschreiben. Habt Ihr schon eine Idee, was Z’orgush als nächstes vorhat?

Schreibt uns Eure Fortsetzungen – wir freuen uns auf Eure Ideen!

Zum Download des Kurzabenteuers geht es hier!

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