Zeichen und Wunder

„Oh Gott, gib mir ein Zeichen!“, rief der Spieler des Elfenpriesters Irwin an seinen Gott Othil, Herr über Leben und Tod, gewandt.

„Oh Gott, gib mir ein Zeichen!“, dachte sich auch der Spielleiter währenddessen, im Regelheft nach Eingebungen suchend.

Die Charaktere standen an einer Kreuzung und die banale Frage der Gruppe war: Wo sollen wir langlaufen?

 

Gib mir ein Wunder …

Das Regelheft schreibt zum Thema „Wunder“: „Wenn ein Priester ein Wunder von seinem Gott erbittet, dann begibt er sich meistens in einer ausweglosen Situation in dessen Hand. Es bleibt nun Ihnen überlassen, wie der Gott seinem Schützling hilft. Die meisten Götter werden sich selten zu etwas „Großem“ oder einer direkten Hilfe herablassen. Manchmal passieren kleine Zeichen oder unerwartete „Zufälle“ – es sind die kleinen Helfer der Götter, die in der Regel den Bittsteller erhören. Beispielsweise Geister, Engel, Tiere, Elemente oder Winde. Sie sollten jedenfalls mit den Effekten sparsam umgehen. Lassen Sie auch hier Zweifel daran, ob wirklich eine göttliche Intervention stattgefunden hat oder ob nicht ein glücklicher Zufall passiert ist.“

Damit ist die Sache eigentlich geklärt. Die Spieler stehen an einer Weggabelung und wissen nicht weiter, der Spielleiter jagt einen Hasen, ein Eichhörnchen oder einen Elch über den Weg, teilt den Spielern dies ohne Umwege mit und die Spieler gehen Ihrer Wege.

Wenn Ihr solche Gruppen haben solltet: Herzlichen Glückwunsch, Ihr habt sicher sehr gradlinige, logisch denkende Spieler, mit denen jedes Abenteuer auch wirklich ein Abenteu… *gähn* *schnarch*

Entschuldigung, bin wohl bei der Vorstellung davon kurz eingenickt.

 

Die werden sich noch wundern …

Aber mal ehrlich: Welcher Gott macht es einem schon so einfach?

Und viel Wichtiger: Welcher Spieler lässt sich von einem so deutlichen Zeichen beeindrucken? Wann ist eine „ausweglose Situation“ wirklich ausweglos? Und was passiert eigentlich, wenn ich als Spieler mehr Magiepunkte nutze, als im Regelheft für den Zauber angegeben wird? So was muss doch möglich sein, um irgendetwas Eindrucksvolles zu erzeugen?

Der Spielleiter in mir lässt an dieser Stelle einen seeeehr langgezogenen Seufzer hören, bevor er den Kopf auf die Tischplatte knallt. Wie gestalte ich ein Wunder also interessant, nicht zu einfach und nicht zu schwer, aber unterhaltsam und doch hilfreich? Und wie verhindere ich, dass die Spieler das Gottesurteil bei jeder sich (nicht) bietenden Gelegenheit einsetzen? Ich bin ganz ehrlich: Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Allerdings habe ich den einen oder anderen Tipp zum Thema „Wunder“ für Euch auf Lager.

 

Werdet Euch der Umgebung bewusst

Ein Wunder sollte immer so knapp gehalten sein, dass es auch als Zufall durchgehen könnte. Dazu sollte es in die Umgebung passen und nicht zu weit hergeholt sein. Mitten in der Wüste einen Eisberg erscheinen zu lassen, wäre zwar möglich, allerdings schon ein sehr extremes Wunder.

Ein Troll in einer Bergregion hingegen ist wahrscheinlicher. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

 

Wunder müssen nicht zwangsweise positiv sein

Wenn die Spieler an erwähnter Weggabelung auf ein Wunder hoffen und vom einen Weg her ein Troll auf sie zukommt, dann könnte das ein deutliches, aber nicht unbedingt auch nur positives Zeichen sein. Vor allem, wenn die Gruppe schwächer ist als der Troll.

 

Genau auf die Fragestellung achten

„Die Geister, die ich rief …“ ist ein Ausruf, den nicht nur Beschwörer beherzigen sollten. Wenn es um die genaue Formulierung des Wunsches/der Bitte geht, sind Götter und Dämonen oftmals sehr genau. Und wenn der Wunsch dem Gott zu lästig ist, seine Hilfe in letzter Zeit zu oft in Anspruch genommen wurde oder der Priester etwas getan hat, was sein Missfallen erregt hat (Gott sieht alles), dann ist die wörtliche Erfüllung des Wunsches in diesem Fall oberste Götterpflicht. Also achtet einmal genau darauf, wie der Spieler die Bitte oder den Wunsch formuliert und schaut doch einmal, ob Ihr die Formulierung nicht zu Euren Gunsten drehen könnt. Ein Wunder lässt sich auch gut mit einer Aufgabe verknüpfen. Hört der Priester ein weinendes Kind, dann ist das u. U. nicht nur ein Zeichen, sondern auch eine Aufforderung des Gottes, dem Weinen nachzugehen und zu helfen. Die Aufgaben sollten im besten Fall an den Aspekt des Gottes anknüpfen.

 

Vage bleiben

Götter sind wankelmütig und ihre Zeichen werden oft falsch interpretiert (Hinweise des Spielleiters im Übrigen ebenso). Damit das so bleibt und um die Spieler auf Trab zu halten, müsst Ihr alle Hinweise so ungenau und kryptisch wie möglich formulieren und erzählen. Streut dabei gerne auch einige eher unwichtige Details ein, wie einen Hasen am Wegesrand, die schönen Blumen auf dem Hügel in einiger Entfernung oder den Geruch von Feuer aus irgendeiner Richtung. Nutzt dabei den Aspekt des jeweiligen Gottes, um es dem Spieler nicht allzu schwer zu machen und übertreibt es nicht mit „Fluff“. Präsentiert den Hinweis wiederum auch nicht auf dem Silbertablett. Achtet außerdem auf die Reihenfolge der Informationen: Gebt den entscheidenden Hinweis nicht als erstes an die Spieler weiter, sondern variiert den Zeitpunkt. Wenn Ihr ein wenig schauspielerisches Talent habt, gebt dem Spieler eine unwichtige Information und tut dann so, als würdet Ihr Euch den Rest gerade Ausdenken.

 

Zufallstabelle mit auswürfeln

Solltet Ihr Probleme mit dem Improvisieren haben, macht Euch am besten vorher eine Tabelle mit Zufallsereignissen, mit der Ihr das Ereignis der Umgebung nach auswürfeln könnt. Beispiel (Othil):

Zahl Wald Wasser Gebirge Szumpf
1 Kaninchen bunter Fisch Falke bunter Frosch
2 herabfallende Frucht plötzkicher Nordwind ungewöhnliches Echo Geruch von Sumpfgas
3 umfallender Baum anbahnender Sturm Steinschlag aufziehender Nebel
4 totes Tier totes großes Tier ausgeraubte Karawane Wasserleiche
5 Troll Wal Gebirgstroll Nykk (einzeln)
6 Scheusal Kraken Steinriese Nykk (Gruppe)

 

Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig beim Thema „Zeichen und Wunder“ helfen. Falls Ihr einige Zufallstabellen dazu bastelt, teilt sie gerne im Forum oder schickt uns eine Mail an hallo@18.196.232.64.

Mit etwas Glück laden wir Eure Werke dann auf der Homepage hoch und stellen sie auch dem Rest der Community zur Verfügung. Viel Spaß!

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