Monster des Monats: Eiserner Wächter

von Anja Eble

„Und ich sagte noch zum armen Burgol, meinen besten Freund: Hier war seid Jahrhunderten niemand, vertrau mir! Ich habe den Zugang zur Mine gestern gefunden. Die halbe Bergflanke ist mit der Frühlingsflut weggebrochen und talabwärts gerauscht. Hätte es nicht meine Sommerhütte für die Schafe mitgerissen, wäre ich gar nicht hochgekommen um nachzusehen. Ich wusste, dass es in diesen Bergen mal Zwerge gegeben haben muss. Schau dir die tollen Steinarbeiten an den Wänden an! Sind das da Rubine? Was ist das für ein Geräusch? Schritte? Das können keine Schritte sein… Bei den Schafen, was ist das?! Lauf!
Aber es war zu spät. Burgol war schon immer langsamer als ich.“

Der Beginn des Unglücks von Jokirsheim, berichtet von Pardel dem Schäfer

 

Die eisernen Wächter blicken in der Geschichte der Zwerge auf eine lange Tradition zurück. Bargram der Trickreiche erschuf den ersten eisernen Wächter, als Brautgeschenk für seine Frau.

Der Siegeszug der eisernen Wächter begann, als der Tiefenkönig Waruhnal das Brautgeschenk sah und bei Bargram eine magisch-mechanische Leibgarde in Auftrag gab. Weil Bargram diese anspruchsvolle Aufgabe nicht alleine erfüllen konnte, gründete er erst eine kleine Schmiede mit einigen Nachbarn und Zauberschülern. Ein wenig später, als sich der Ruhm der eisernen Wächter verbreitete und sich die Anfragen häuften, wurde er der Herr einer eigenen Halle, die sich ganz der Herstellung der Wächter verschrieb.

So verbreiteten sich die eisernen Wächter in den Zwergenreichen und schließlich auch darüber hinaus, denn sie waren beliebte Geschenke an befreundete Nationen.  Nur sehr selten waren sie auch Handelsgut, denn die Zwerge trennten sich nur ungern gegen klingende Münze von ihren eisernen Wächtern, denn die komplizierte und zeitaufwendige Herstellung der Wächter war zumeist unbezahlbar.

Auf den ersten Blick einem bewaffneten Zwerg mit Schild und Waffe nicht unähnlich, lässt die wandelnde Rüstung spätestens beim genauen Blick auf die Bewaffnung erkennen, dass es sich um etwas Spezielles zu handeln scheint, denn Schild und Schwert sind die Arme des Wesens, eiserne Wächter haben keine Hände.

Angeblich war das nicht immer so, aber Bargram erwischte eines Nachts einen seiner Wächter, ein Exemplar das er Kolumon den Klugen getauft und mit einem erheblichen Intellekt ausgestattet hatte, dabei, dass er anfing selbst Wächter zu konstruieren.

Von Bargram zur Rede gestellt, schlug Kolumon seinen Erschaffer nieder und floh. Kein Zwerg hat ihn seitdem jemals wieder gesehen.

Seit dieser Zeit besitzen die Wächter keine Hände mehr und auch keine Sprache, denn es heißt, die magischen Formeln, welche die eisernen Wächter zum ewigen Dienst rufen, müssen ihnen in die leeren Augenschlitze der Helme gesprochen werden, um die Leere mit mechanischem und magischem Leben zu füllen.

Ist der Zauber vollendet, so geben die Augenschlitze in den prunkvollen Helmen den Blick frei in lichtlose Schwärze und es heißt, ein Blick in den Sehschlitz wäre wie ein Sturz in einen endlos tiefen düsteren Abgrund.

Die Bewaffnung der eisernen Wächter variiert, ebenso wie die Ausarbeitung und das Material der Rüstung. Es gibt besonders prunkvolle Exemplare, einem König würdig mit wunderbaren Einlegearbeiten aus Gold und Edelsteinen, aber auch eher schlichte Vertreter der Gattung die nicht viel mehr zu sein scheinen als treue Arbeiter in einfacher Eisenrüstung.

Genauso wie das Aussehen unterscheiden sich auch die Aufgaben, die den Rüstungen gegeben wurden. Natürlich sind die meisten mit dem Schutz betraut, aber bei einigen ist es der Schutz eines Ortes, bei anderen der einer Person oder Familie.

Das meiste Wissen, wie die Rüstungen belebt und befohlen wurden ist im Laufe der Zeit verloren gegangen und die Halle der belebten Rüstungen ist in den lichtlosen Tiefen verschollen, aber gar nicht wenige der Rüstungen scheinen den Lauf der Zeit recht unbeschadet überstanden zu haben und leisten immer noch treu ihre Dienste.

So kann es passieren, dass abenteuerlustige Wanderer in Stollen und Tempeln auf Wächter stoßen können, manche reglos und scheinbar inaktiv, zumeist an den Gräbern ihrer ehemaligen Beherrscher treu Wache haltend, andere rastlos in alten Gängen patrouillierend. Es gibt auch Torwächter oftmals der Sprache mächtig, ewige Wacht vor Türen haltend, bis die Rätsel gelöst sind, die den Zugang erlauben oder das Passwort gefunden wird.

Selten kommt es vor, dass die magischen Konstrukte über Land wandern, wenn Grenzen ihrer Bereiche zerstört wurden oder die ihnen einst aufgetragene Aufgabe wohl nicht mehr zu erfüllen ist. Bei ihren Wegen können sie zu einer echten Gefahr werden oder auch nur zu einer unheimlichen stummen Begegnung.

Die Befehle sind den eisernen Wächtern wohl eingeschmiedet und mit Magie zum Leben erweckt, zumindest deutet die Untersuchung des „Zerstörers von Jokirsheim“ darauf hin. Ein eiserner Wächter der wohl nach einem Bergrutsch aus einer ehemals verschütteten Zwergenmine frei kam und daraufhin anfing alles in seiner Sicht abzuschlachten. Er löschte fast das gesamte Dorf Jokirsheim aus, bevor er in einer Grube festgesetzt werden konnte und es einem wandernden Magier endlich gelang, ihn zu deaktivieren und zum weiteren Studium mit nach Padova zu nehmen.

Es gibt auch einige Geschichten, bei denen eiserne Wächter eingesetzt wurden um Regenten zu stürzen und neue Herrscher einzusetzen, aber in jüngster Zeit ist nichts in dieser Richtung bekannt.

Wohl aber erzählt man sich von der roten Marli, einer berühmte zwergische Freibeuterin, die einen eisernen Wächter als Steuermann besitzt, der ihr aufs Wort gehorcht und die „Goldschatz“, ihr Schiff bei Tag und Nacht steuert, ohne jemals müde zu werden.

Das es wohl einst auch gigantische eiserne Wächter gab, die Häfen bewachten und als Wächter und Leuchttürme gleichermaßen fungierten, gehört indes vermutlich eher ins Reich der Märchen.

Beschädigter Eiserner Wächter (SG 6)

TP 80, INI +0, Schwert, Schaden +1, KB 3, Rüstung 10, Schatz C

Eiserner Wächter (SG 10)

TP 120, INI +1, Schwert, Schaden +1, KB 8, Rüstung 11, Schatz D

Großer Eiserner Wächter (SG 12)

TP 200, INI +2, übergroßes Schwert, Schaden +4, KB 10 (2 Angriffe pro Runde), Rüstung 11, Schatz E

Kolumons Kind (SG 8)

TP 60, INI +1, eine zufällige Waffe:

  • 1 : Flammenwerfer, Schaden +1 (Entzünden), KB 6 (kann Fläche von 3 x 3m entzünden)
  • 2 – 5 : Doppelklinge, Schaden +2, KB 6 (2 Angriffe pro Runde)
  • 6 – 9 : Schwert, Schaden +1, KB 9, Rüstung +1
  • 10 : Blitze, Schaden +2, KB 6 (kann auf bis zu 6 Ziele weiterspringen, die nicht mehr als 3m jeweils voneinander entfernt stehen)

Rüstung 10, Schatz D

Kolumon der Kluge (SG 14)

TP 160, INI +2, Mehrfachangriff (2 pro Runde):

  • Flammenwerfer, Schaden +1 (Entzünden), KB 10 (kann Fläche von 3 x 3m entzünden)
  • Doppelklinge, Schaden +2, KB 10 (2 Angriffe pro Runde)
  • Blitze, Schaden +2, KB 10 (kann auf bis zu 6 Ziele weiterspringen, die nicht mehr als 3m jeweils voneinander entfernt stehen)
  • Kolumons Hammer, Schaden +4, KB 12

Rüstung 10, Zauberresistenz 8, Schatz G

Kolumon kann seine beiden Arme jede Runde im Kampf neu konfigurieren und so bis zu zwei verschiedene Angriffe machen. Zum Beispiel in Runde 1 mit Flammenwerfer und Hammer angreifen und in Runde 2 mit Doppelklinge (die zweimal in der Runde schlagen kann) und Blitze (womit er durch die Doppelklinge im Ergebnis in Runde 2 sogar auf drei Angriffe kommt).

Kolumon konstruiert pro Monat ein neues Kind. Er ist außerdem in der Lage sich selbst pro Tag um 30 TP zu rekonstruieren.

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