Karten zeichnen leicht gemacht Teil 1

Je größer ein Plot angelegt ist, desto schneller neigen Spieler und Spielleiter dazu, die Übersicht zu verlieren.

Um genau das zu verhindern, empfehlen sich Karten und Pläne eurer Umgebung.
Euch schreckt das Zeichnen der Karte ab? Ihr haltet Euch für zu unkreativ/unbegabt/untalentiert?
Kein Problem: Mit ein paar einfachen Tipps und Tricks bastelt auch Ihr ruck-zuck eine Karte für beinahe jedes Szenario.

Zuerst solltet Ihr jedoch wissen, dass grundsätzlich zwischen Landkarten/Umgebungskarten, Dungeons und Stadtplänen unterschieden wird.

Wir behandeln in diesem Blog die Landkarten/Umgebungskarten

Bevor Ihr mit dem Zeichnen beginnt, ein paar einleitende Gedanken:

Für wen ist die Karte? Wollt ihr sie als Spielleiter nutzen oder ist Sie zur Herausgabe an die Spieler gedacht?
Falls ihr die Karte als SL verwenden wollt, folgt einfach den unten beschriebenen Schritten.
Falls ihr die Karte allerdings euren Spielern geben wollt, fertigt zwei Exemplare an. Eine für euch, eine für die Spieler.
Während Eure Karte so genau und detailliert wie möglich sein sollte, fragt euch bei der Karte für die Spieler folgende Dinge:
1. Woher haben die Spieler die Karte?
2. Entspricht der Detailgrad dem bezahlten/angesetzten Preis? Detailierte Karten kosten eine Menge Arbeit und Geld und sind entsprechend selten.
3. Wie gut war der NPC, der die Karte schuf? Wurde sie vom Lehrling oder vom Meister gezeichnet und stimmen infolgedessen alle Angaben auf der Karte der Spieler?
4. Kannte der Erschaffer der Karte alle Details oder gibt es noch weiße Stellen auf der Karte?

Kartenzeichnen in 7 Schritten

Schritt 1: Die Außengrenze
Nehmt euch ein weißes Blatt DIN A4 und zeichnet den Umriss der bespielbaren Umgebung auf. Dazu nehmt ihr einen Bleistift und zeichnet einfach drauf los. Die gezeichnete Form ist dabei erst mal vollkommen zweitrangig, Schnörkel und Zacken sind auch kein Problem und sehen hinterher oft sogar besser aus. Nutzt ruhig den gesamten zur Verfügung stehenden Platz, die „wahre“ Größe des gezeichneten Bereiches ergibt sich hinterher von selbst oder durch den Maßstab.

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Schritt 2: Landmarken
Eure nächste Überlegung sollte den Landmarken eurer Karte gelten. Gibt es Meere, Seen, Berge, Wüsten, Wälder oder Flüsse? Nehmt euch dazu am besten einen blauen Stift für Flüsse, Seen und Meere, einen braunen für Berge, einen gelben für Wüste und einen grünen für Wald.

Wie zeichne ich…

…Meere und Seen?
Zeichnet wie schon in Schritt 1 die Grenzen der Wassermassen frei mit einem blauen Stift ein. Auch hier sind Schnörkel oder Zacken kein Problem und geben dem Ganzen etwas Natürliches.
Malt dann hinterher einige Wellenlinien in die Fläche. So markiert ihr, was Wasser ist und wo Land.

…Flüsse?
Markiert mit einem blauen Stift zuerst die Quelle. Die Quelle kann auch ein See sein oder aus einem Berg hervor kommen. Danach zeichnet Ihr von der Quelle aus lange, gewundene Linien in Flussrichtung bis euer Fluss in ein Meer oder einen See mündet. In einigen Fällen verlaufen Flüsse auch unterirdisch und verschwinden daher irgendwann im Boden oder in einer Schlucht.

…Berge?
Bei einzelnen Bergen, malt ein einzelnes großes Dreieck mit abgerundeter Spitze. Das reicht in den meisten Fällen schon.
Bei einem Gebirge, malt viele kleine Dreiecke und verschachtelt diese teilweise ineinander. Variiert die Größe der Dreiecke gerne ein bisschen und zieht auf diese Weise euer Gebirge soweit ihr wollt.

…Wälder?
Um einen Wald auf der Karte einzuzeichnen, geht Ihr wie beim Gebirge vor: malt mit einem grünen Stift viele kleine Dreiecke, verzichtet aber auf das verschachteln und versucht, die Dreiecke in etwa gleich groß zu halten.

…Wüste
Wüsten könnt Ihr als freie Fläche mit einigen Dünen/Hügeln darstellen und diese dann in gelb einfärben.
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Schritt 3: Straßen
Nachdem Ihr die Landschaft nun schon fast fertig skizziert habt, widmet Euch am Besten den Straßen. Nehmt einen dicken Stift und malt Freihand zuerst die Hauptstraßen ein, die sich über eure Karte ziehen. Zeichnet nun mit einem feineren Stift die Nebenstraßen ein.

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Schritt 4: Ballungszentren
Im nächsten Schritt zeichnet ihr Ballungszentren von Menschen (oder anderen Völkern) auf der Karte, entlang der Straße ein. Ballungszentren sind in erster Linie Städte und Dörfer, aber auch Festungen, Burgen und Forts. Markiert eure Städte mit einem großen Punkt, Dörfer mit einem kleinen. Festungen und Burgen markiert Ihr je nach Größe mit einem Viereck. Denkt daran, dass Städte, Festungen und Burgen in den allermeisten Fällen an Hauptstraßen liegen, während Dörfer und Forts eher an Nebenstraßen oder auch gerne mal abseits der Straßen  liegen.

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Schritt 5: Namen
Sobald alle relevanten Städte und Dörfer eingezeichnet sind, kümmert euch um deren Namen. Falls ihr in diesem Punkt etwas ideenlos seid, so könnt Ihr euch an alten Dörfernamen orientieren oder euch von der Umgebung inspirieren lassen. Meist fließen auch der Umstand der Stadtgründung oder ein einschneidendes Ereignis mit in den Namen ein, z.B. bei Neustadt, Ogertod, Schönberg…

Natürlich muss nicht jedes Dorf einen Namen bekommen, allerdings kann ich aus Erfahrung berichten: Sobald die Spieler per Zufall dorthin gelangen, so werden sie jemanden danach fragen.

Danach gebt auch euren Landmarken Namen. Es klingt einfach besser, wenn die Spieler irgendwann den Fluss „Dreilauf“ überqueren, sich durch den „Wald der Umkehr“ schlagen um am Ende in der Festungsstadt „Göttersturz“ Zuflucht zu finden.

Schritt 6: Details
Nun ist Eure Karte bereits fast fertig. Fehlen noch die Details.
An dieser Stelle könnt ihr eurer Fantasie freien Lauf lassen. Ihr könnt versteckte Pfade einzeichnen, Höhlen, Brücken, Oasen, Gasthäuser und Sehenswürdigkeiten. Zeichnet so detailiert wie ihr möchtet, aber verzichtet auf unnötige Notizen auf der Karte.

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Schritt 7: Finale Gedanken
Eure Karte ist fertig, das Abenteuer kann beginnen. Bevor ihr euren Spielern allerdings euer fertiges Werk präsentiert, macht euch einige finale Gedanken zur Karte:

Prüft die Karte aus Sicht der Spieler und unter logischen Gesichtpunkten. Flüsse fließen eher selten bergauf und Wald findet sich in Wüsten fast nie.
Passt eure Karte zum Plot (falls Ihr bereits einen habt)?
Ist die Karte verständlich? Oder vielleicht mit Absicht an einigen Stellen unverständlich oder mit weißen Flecken versehen?
Passen der Maßstab und die Dimensionen in etwa?

Variationsmöglichkeiten:

Um Eure Karte authentischer zu machen könnt Ihr anstelle von weißem DIN A4 auch farbiges Papier nehmen oder Pappe. Bei Papierkarten ist es außerdem möglich, durch vorsichtiges ankokeln des Randes mit einem Feuerzeug den Eindruck einer “aus den Flammen geretteten” Karte zu erzeugen oder durch mehrmaliges Zerknüllen und vorsichtiges Auseinanderfalten ein gewisses Alter und Gebrauchsspuren an der Karte zu simulieren.

Wir hoffen, Euch gefällt diese kleine Anleitung. Ihr habt Fragen, Wünsche, Kritik oder wollt Eure Karte mit der Community teilen? Schickt uns eine Mail an hallo@18.196.232.64, schreibt uns bei Facebook oder stellt euer Werk ins Forum. Wir freuen uns über jedes Feedback.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim zeichnen

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