Verliebt, verlobt, verheiratet?

Der Elf mag den Zwerg nicht, Halblinge verlieben sich und leben für den Rest des Lebens monogam. Menschliche Aufreißerbarden bekommen nicht genug von den Frauen und die Gnome – naja … bei denen weiß wahrscheinlich nur die Dunkelheit, was in den Höhlen vor sich geht.

Klingt nach einem völlig normalen Verliebtengeflecht aus der Welt von ABOREA – oder?

Das Thema Liebe ist in unserem „echten“ Leben den meisten von uns wahrscheinlich jeden Tag präsent. Ob ihr gerade in einer Beziehung seid oder nicht – wahrscheinlich habt ihr irgendwann schon einmal Bekanntschaft mit der Liebe gemacht. 

Verliebt, verlobt, verheiratet, allein, einsam, zweisam – glücklich oder unglücklich. Es gibt viele unterschiedliche Kombinationen, denen wir begegnen können.

Aber spielt dieses Thema in eurem ABOREA-Rollenspiel auch eine Rolle?

Fangen wir mal bei der glücklichen Liebe an

Stell dir folgende Situation bildlich vor. “Du” bedeutet in dem folgenden Fall “dein Charakter”:

Du, beispielsweise ein Mensch, bist verheiratet. Glücklich. Ihr habt Kinder – vielleicht 2 oder sogar 3 – mit denen ihr gemeinsam in einem Haus in Gloran lebt. Das Haus ist liebevoll eingerichtet: Selbstgemalte Bilder der Kinder zieren die Wände, das Geschirr liegt in den Holzmöbeln in der Küche und jeder kennt seinen Platz an der langen Tafel im Esszimmer. Tierfelle sorgen, neben einer Feuerstelle, für Wärme und Gemütlichkeit, wenn es im Winter mal kühler wird. Blumen zieren die Tische und Regale.

Vom Erdgeschoss aus kommt man nicht nur nach oben, in den zweiten Stock, sondern auch nach draußen. Du und deine Familie, ihr habt einen gepflegten und üppigen Kräuter- und Gemüsegarten. Daneben steht ein kleiner Stall, in dem 2 Ziegen, 1 Schaf und ein paar Hühner leben.

Im oberen Geschoss des Hauses befinden sich das elterliche Schlafzimmer und die beiden Zimmer für die Kinder. Die Kinder lachen, wenn sie durchs Haus tollen. Es riecht nach Blumen und Essen und nach verbranntem Holz. Und an manchem Abend auch nach Wein.

Du liebst deine Familie über alles. Deine Kinder sind die Erfüllung deiner Träume, dein Ehepartner ist es ebenso: deine große Liebe!

Das ist dein Leben. Das Leben, das du dir gewünscht hast und nun schon lange glücklich lebst.

Und dann kam der Spielleiter.

Spinnen wir uns mal eine „normale“ oder mehr oder weniger „typische“ – oder zumindest allseits bekannte – Ausgangssituation eines Abenteuers zusammen:

Du bist gerade im Gasthaus, um mit ein paar Bekannten etwas zu trinken … da setzt sich ein Elf an den einzigen freien Platz, den es noch in der Schenke gibt: an euren Tisch. Einer deiner Freunde ist ein Zwerg, der das natürlich nicht so gern sieht. Aber er scheint heute gut gelaunt zu sein und sich zusammen zu reißen. Das Halblingsmädchen, das gern und ordentlich und immer wieder mal mit euch trinkt, freut sich über den Besucher am Tisch. Da sitzt ihr nun und unterhaltet euch, trinkt und denkt an nichts Böses … da kommt ein Mann im Umhang rein, übergibt euch wortlos einen Brief und verlässt kommentarlos den Raum. Wie ein Schatten, der einmal durch den Raum gehuscht ist.

In dem Brief steht, dass ihr alle nach Padova müsst. Zu einem gewissen Sempal Trinod – ihr wüsstet schon Bescheid. Tut ihr das wirklich!?

Wie ist der weitere Verlauf?

Spätestens am nächsten Tag sind alle gemeinsam im Wald unterwegs, um den Weg gen Norden anzutreten. Das wäre zumindest in den meisten meiner Runden so geschehen …

Plötzlich kein Wort mehr von den Kindern, der großen Liebe und dem schönen Haus, schließlich warten Abenteuer. 

Das ist eigentlich unlogisch, oder? Würde man wirklich einfach so losgehen, weil irgendwer einen Brief schickt und eine Belohnung verspricht?! Ich glaube nicht. 

Warum nimmt man die Familie nicht mit?

Na, weil´s umständlich ist, klar. Aber jemanden zu lieben heißt auch, sich um ihn kümmern zu wollen. Das kann man am besten, wenn man zusammen ist. Also wäre es logisch, sie mitzunehmen.

Wenn auf den Abenteuern nicht immer so fiese Gefahren warten würden, die der SL schickt … Würde jedoch eine Mutter oder ein Vater solche Gefahren auf sich nehmen, trotz des Wissens, was zu Hause auf ihn wartet?

Was meint ihr?

Ich persönlich bin der Meinung, dass dieses Thema einfach zu selten in die Geschichte eines Charakters verwoben und dann auch ausgespielt wird. Das kann doch auch ganz spannend sein, wenn es im richtigen Rahmen genutzt wird.

Unglücklich verliebt? 

In die meisten Abenteuer steigen eure Charaktere mit Feuereifer ein. Sie machen sich auf den Weg – wohin auch immer sie reisen sollen– um Schlachten zu schlagen, Fallen zu enttarnen und Menschen zu retten. Und um die Belohnung einzusacken, versteht sich.

Aber was wäre denn, wenn jemand schlecht drauf ist, weil er unglücklich verliebt ist? Also – richtig schlecht drauf. Weil jemand dieser Charakter eine Trennung hinter sich hat oder gar der Partner gerade verstorben ist? Da sollte man meinen, dass der Durst nach Abenteuern auch mal gestillt ist, weil man einfach niedergeschlagen ist … 

Hand auf´s Herz: Wir alle (also: Wir Spieler) hatten schon mal Liebeskummer, oder nicht? Wenn man sich so fühlt: geht man dann wirklich nach draußen, in einer Gruppe Fremder oder auch Bekannter, die man schon von den letzten „Heldentaten“ kennt und schlägt sich durch den Kontinent, weil irgendwer eine Quest an die Gruppe übergeben hat? Nein. Man gräbt sich ein, geht nur widerwillig Verabredungen jeglicher Art ein und nervt alle anderen mit der schlechten Laune, mit Weinerei und Heißhungerattacken (zumindest bei Frauen meistens zu finden ;-)). 

NICHT IM ROLLENSPIEL!

Da zieht immer jeder los , mal gut gelaunt, mal mit Zwergenlaune, mit mehr oder weniger Vorfreude auf das, was auf die Gruppe wartet.

Ich habe in meinen Rollenspielrunden noch nie einen Charakter mit Liebeskummer getroffen. Wieso ist das denn so? Dass sich Helden aus ABOREA nicht verlieben, halte ich für unwahrscheinlich.

A propos Losziehen:

Was wäre denn, wenn da noch jemand bei der Gruppe wäre, der mit ähnlichem Elan mitkommt wie es die Charaktere tun – der aber eigentlich gar nicht dabei sein sollte?  Jemand, der einem Helden total verfallen ist und ihm auf Schritt und Tritt folgt, um immer bei ihm zu sein, obwohl der Held das gar nicht möchte? Ein verliebter, anhänglicher Stalker quasi? Das kann sicher auch für lustige Momente sorgen, aber vor allem ist es nervig und hin und wieder sogar angsteinflößend, wenn solche Personen eine Rolle spielen.

Es gibt so viele Aspekte des Verliebtseins und des Nichtverliebtseins, die man ins Rollenspiel einfließen lassen kann. Sie sorgen nicht nur für abwechlungsreiche Gefühle und Stimmungen, sondern sicherlich auch für die eine oder andere emotionale Situation – in welcher Richtung auch immer das dann sein mag. Aber wie bei vielen anderen Themen gilt auch hier: Die Dosierung macht’s! Sowohl Spieler als auch Spielleiter sollten das ganze nur in Maßen nutzen und nicht bis auf’s Blut ausreizen.

Stellt euch vor, ihr würdet eure Familie bei eurem aktuellen Abenteuer an eurer Seite haben: Was würde das für euch, eure Gruppe und eure Aufgabe haben?

Und wie würden eure Charaktere reagieren, wenn jemand fürchterlich verliebt in ihn ist, er das aber gar nicht erwidert?

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