Physische Distanz und ABOREA spielen

Die Covid-Krise ist vermutlich an keinem von uns spurlos vorübergegangen. Manche sind in Kurzarbeit geschickt worden, wieder andere haben vielleicht sogar ihren Job verloren. Manche sind krank und andere haben Angst. Das ist für uns alle eine schwierige Zeit. Und doch hat sie auch einige Erkenntnisse mitgebracht, die unser Hobby, das Rollenspiel, betreffen.

Von ABOREA gibt’s schon lange online Runden. Die sind bei Youtube verfügbar und mit denen kann man sich einige Stunden unterhaltsam beschäftigen.

Übrigens, eine Info am Rande: Solltet ihr Mitspieler suchen, um ebenfalls online zu spielen, sei euch das Forum ans Herz gelegt, denn dort ist immer einiges los.

Aber kommen wir mal zum Kern des ganzen: Dem Onlinespiel.

Ich würde mal vermuten, dass die meisten von uns ABOREA in Gruppen spielen, die sich live treffen, zusammen auf dem Sofa sitzen, Pizza essen und so gemeinsam einen schönen Abend erleben. Das war natürlich in den letzten Monaten so nicht möglich.

Die ersten Gedanken, die ich häufig gehört habe, wenn es darum ging, die „echte“ in eine online Runde zu verwandeln, war:
„Nee, das ist ja nicht das gleiche.“

„Ich kenne mich mit diesen Programmen ja auch noch gar nicht aus.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass das gut klappt.“

„Ich möchte aber lieber in echt spielen …“ usw.

Vielleicht kommt auch euch das bekannt vor.

Und auch ich, die sonst eigentlich immer nur „live“ gespielt hat, war da nicht ganz frei von. Aber es hieß nun einmal: Entweder – oder. Und ich wollte nicht aufs ABOREA spielen verzichten. Dann doch lieber in den sauren Apfel beißen und es mal digital versuchen …

Vorab sei gesagt:
Ich bin froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Sicherlich wird ein online Spiel via Zoom, Discord, Skype, Roll20 oder was auch immer niemals die Nähe eines echten Treffens imitieren können. Aber trotzdem waren wir immer eng zusammen, wenn auch nicht beieinander, haben gespielt, gelacht und sind verzweifelt. Ja, es gab technische Probleme und es wurde auch immer mal wieder darüber gemeckert, wenn irgendwas nicht so funktioniert hat, wie wir es gern gehabt hätten. Aber ich kann für mich und alle meine Mitspieler behaupten: Es war gut, dass wir es versucht haben! (Nichtsdestotrotz freuen wir uns darauf, uns endlich wieder zu sehen und zusammenhocken zu können.)

Die Ferne ist plötzlich nicht mehr so weit weg

Mich hat dieses „Experiment“ auch noch zu etwas anderem bewegt – vielleicht geht es euch da ähnlich. Nachdem ich festgestellt habe, dass es ja doch gar nicht so schlimm ist, online zu spielen, hab ich meine weiter entfernt wohnenden Freunde nun endlich mal zu einer ABOREA Runde eingeladen. Ging ja sonst nicht, weil sie so weit weg wohnen … Das ist Quatsch! Es geht sehrwohl, wenn man will. Die Bedienung von Roll20 zum Beispiel ist ziemlich intuitiv und man kann Kartenmaterial und co dort hinterlegen, sodass es auch an Atmosphäre nicht mangelt. Wer keine Kamera hat oder sie nicht nutzen möchte, spielt halt nur über Mikrofon mit. Das geht sogar über Telefonkonferenz! Oldschool, aber ist so.

Ein paar Tipps möchte ich euch gern weitergeben, da mir einige Dinge aufgefallen sind:

Wenn ihr online spielt, tut euch selbst den Gefallen und schaltet Störquellen ab. Ja, sicherlich wird jeder mal Downtime erleben. Aber parallel noch Youtube-Videos zu schauen, um sich zu unterhalten, beispielsweise, ist nicht nur den anderen Mitspielern, sondern vor allem dem Spielleiter gegenüber unfair. Außerdem: Ihr habt doch ein Hörspiel, dem ihr zuhören könnt! Wie cool ist das denn bitte?! Schließt am besten nicht benötigte Tabs in eurem Browser.

Macht euch ruhig ein Kerzchen an und gönnt euch einen Schluck Met, Wein, Kaffee oder was auch immer ihr gern trinkt. Macht’s euch gemütlich und erschafft – soweit eben möglich – die Atmosphäre, die ihr euch fürs Spielen wünscht.

Seid ein bisschen flexibel. Fahrtzeiten, die Wohnung aufräumen, weil die anderen gleich kommen, für 5 Leute kochen – das alles fällt gerade weg! Was spricht also dagegen, sich auch unter der Woche nur mal für ein bis zwei Stündchen zu treffen? Gar nichts! Es muss nicht immer die ganze Nacht sein, in der gespielt wird. Ich für meinen Teil finde es auch schwierig, meine Konzentration im Onlinespiel über einen sehr langen Zeitraum (da meine ich jetzt mal so 6 Stunden +) zu bündeln, weil ich zu Hause relativ viele Ablenkungsmöglichkeiten finden kann. 😉 Geht auch alles, aber dann braucht es Disziplin.

Wichtiger denn je, wahrscheinlich: Bringt euch ins Spiel ein! Nicht jeder spielt mit Kamera, und gerade, wenn ihr euch nur über Audio verbindet, ist es super wichtig, dass jeder aktiv ist, damit jeder weiß, das alle nicht nur anwesend, sondern auch dabei sind. Sonst kann es schnell zu merkwürdigem Schweigen kommen. Konzentriert euch auf das, was passiert und bringt euch in das Geschehen ein. So könnt ihr das Spiel am Leben erhalten und wenn das jeder macht – tja, dann steht auch dem Onlinespaß nichts im Wege.

Noch ein wichtiger Tipp: Lasst die Gruppe nicht zu groß werden. Maximal 4 Spieler plus Spielleiter sind meiner Erfahrung nach eine gute Anzahl. Ich mag sogar noch lieber 3 Spieler + Spielleiter. Gerade das Durcheinanderquatschen ist online gar nicht so leicht zu händeln. Wenn ihr eine große Gruppe seid, kann es schnell passieren, dass jemand sehr lang warten muss, dann eine kurze Aktion macht, um dann wieder lang warten zu müssen. Das ist natürlich nicht unbedingt zufriedenstellend für alle und auch der Spagat für den Spielleiter ist gar nicht so einfach … Wenn etwas nicht so gut läuft, sprecht es an. Denn auch – oder gerade – in Zeiten wie diesen soll ABOREA natürlich allen in der Gruppe gleichermaßen Spaß machen.

Und am wichtigsten: Traut euch. Versucht es einfach mal. Wenn es nach einem ersten, vielleicht zweiten Versuch nichts für euch ist: Okay! Aber das Ganze pauschal abzulehnen, das halte ich für eine schlecht Entscheidung, denn euch könnte ganz schön was entgehen.

Hier noch ein paar Worte aus der Sicht eines Spielleiters: Runden, in denen die Kamera eingeschaltet ist, lassen sich leichter spielen, als Runden, die rein audiobasiert stattfinden. Man kann da nämlich nicht nur auf die sprachlichen Reaktionen zurückgreifen, sondern auch die Mimik der Spieler sehen und darauf reagieren. Und natürlich auch selber mit Mimik oder Gesten arbeiten. Nur mit Audio können manchmal sonst Downtimes und Sprachpausen entstehen, die der Spielleiter füllen bzw. überbrücken muss, um das Spiel durch nachfragen wieder in Gang zu bekommen.

Dann noch ein paar Worte zu den Charakterbögen und dem Würfeln. Die Charbögen könnt ihr ja entweder in Papierform nutzen oder ihr nutzt die Tools von z.B. roll20.net und ladet sie dort hoch. Dann kann der Spielleiter bei Bedarf den Bogen einsehen und Hilfestellung geben, falls nötig.

Auch beim Würfeln gibt es ebenfalls Tools und Würfel-Apps, die ihr anstatt des händischen Würfelns nutzen könnt. Die Tools können auch direkt Boni einrechnen und sparen dabei etwas Rechnerei. Und man kommt nicht in Versuchung, das Würfelergebnis ein wenig zu den eigenen Gunsten zu drehen … 😉

(Danke an den Chemiezwerg für die Spielleitersicht zu dem Thema!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.